Von zerbrochenen Stöcken, zerrissenen Hosen, Diarrhö und dem Tanz der Endorphine
„Dieser Kurs bricht einmal mehr alle Rekorde. Warum wir das Wagnis dennoch eingehen? Weil wir ein bisschen verrückt sind.“
So begann Herr Nolte das Infoblatt zum diesjährigen Skikurs, denn die Teilnehmerzahl habe die organisatorischen Anforderungen übertroffen, die eine Schule leisten könne.
Nichtsdestotrotz begaben wir uns am sehr frühen Samstagmorgen des 12. Januars 2008 nach halbjähriger Vorbereitung durch wöchentliche Skigymnastik mit fast 90 Schülerinnen und Schülern, neun Lehrerinnen und Lehrern bzw. Referendarinnen und Referendaren sowie den beiden Busfahrern Udo und Micha (leider eine halbe Stunde später als geplant, da einer der Schüler seinen Schönheitsschlaf um diese Uhrzeit noch nicht abbrechen konnte…) an den Start.
Endlich in der bizarren Welt der Zillertaler angekommen (Zitat Schülerin: „Welche Sprache spricht der denn? Verstehen die hier Englisch?“), bezogen wir zunächst unsere Zimmer in den mayrhof’schen Pensionen „Sidan“, „Mutter Agnes“ und „Haus Edelweiß“.
Vernünftig, wie wir sind, gingen wir für Schülermaßstäbe früh zu Bett, um uns am nächsten Morgen fit und munter im Wirrwarr „des Stinkeschuhraums“ auf die langwierige Suche nach der eigenen! Skiausrüstung zu machen. (Kleiner Tipp: Lehrer eigentlich → Vorbildfunktion und nicht → „Als Autoritätsperson bastele ich mir die Ausstattung zusammen, die mir am Besten gefällt…“ = P)
Nachdem wir willigen Skifahrer schließlich in den Gondeln die tiefhängende Wolkendecke durchbrochen und somit das Land des ewigen Regens hinter uns gelassen hatten, wurden wir in 2500 Metern Höhe von einem strahlend blauem Himmel, verschneiten Tannenwäldern (die Herr Schmolinga in der Folgezeit stets mit den Pisten verwechselte) und glitzernd weißen Bergketten empfangen.
Unterteilt in vier Anfängerbanden, drei Fortgeschrittenengruppen und eine einsame Spitze wagten wir uns in den Kampf gegen plötzlich aus dem Boden schießende Absperrungen, rücksichtslose Russen und Mitschüler sowie diverse Tiefschneefallen und Buckelpisten. Lediglich Herrn Schmolinga blieben derartige Erfahrungen natürlich erspart: „Ich bin nicht gefallen! Ich lehne mich nur gegen den Berg!“
Insgesamt schlugen wir uns mit nur 10% Verlust äußerst tapfer und zogen so am späten Nachmittag mit reicher Beute, bestehend aus einem Überschuss an Endorphinen, blauen Flecken und Muskelkater, zufrieden in Richtung Après-Ski-Bar. Auch einige Lehrkräfte folgten uns dorthin und bewiesen nicht nur eine beeindruckende Textsicherheit, sondern vor allem „Stimmungsbombenqualität“, ohne dabei ihr Verantwortungsbewusstsein einzubüßen!
Auf der Piste nahm in den folgenden Tagen sowohl die Sicherheit der Ängstlichsten als auch die Lebensmüdigkeit der Mutigsten zu, und so konnten selbst zerbrochene Skier, verbogene Stöcke, gerissene Hosen, lästige Diarrhö und ein des Öfteren verloren gegangener Schüler, der sich mit seinem Camouflageanzug im Schnee perfekt zu tarnen wusste, den kollektiven Spaß keineswegs bremsen.
Nicht zuletzt ist dies den Lehrkörpern zu verdanken, die gelegentlich selbst mit humoristischen Einwürfen vom Focus der sportlichen Ernsthaftigkeit ablenkten. So besang zum Beispiel Herr Nolte den Träger einer sonderbaren Mütze mit: „Du hast ’ne Zwiebel aufm Kopf, du bist ’n Döner… denn Döner macht schöner…“ Besonders beliebt machte sich außerdem Herr Schmolinga, wenn er getreu nach dem Motto „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen“ süffisant grinsend seine Kamera zückte, statt seinen kopfüber im Tiefschnee steckenden Schülern zu helfen.
Mehr Verständnis zeigte da Herr Holz, der die zaghaftesten Anfänger übernahm und es schließlich durch unermüdliche Motivation zum „Holzgesicht“ (bitte lächeln!) schaffte, auch hier Euphorie aufkommen zu lassen. So verlief die Prüfung am Ende der Woche bei allen Teilnehmern mehr oder weniger zufrieden stellend.
Minder erfolgreich war hingegen das Hotelpersonal des „Sidans“ bezüglich des Händelns einer solchen Masse an Schülern, was letztendlich unter anderem dazu führte, dass den Vegetariern am finalen Abend Hühnersuppe serviert wurde. (Tofuhuhn!?).
Ansonsten war an der Verköstigung des Hauses jedoch nichts auszusetzen.
Ein zusätzlicher Grund für die folgenden Jahrgängen das Angebot des Skikurses auf jeden Fall zu nutzen, sollte dieses weiterhin bestehen!
Auf der Rückfahrt am Abend des 19. Januars waren sich alle einig: „Eine Bomben Woche, die wohl jedem Skikursler in Erinnerung bleiben wird!“
Besonderer Dank dafür gebührt an dieser Stelle allen Lehrerinnen und Lehrern sowie vor allem Herrn Nolte, der als Organisator der Fahrt fungierte und diese inhumane Aufgabe mit Bravour meisterte - ein imaginäres Lebkuchenherz an unseren „Chefskihasen“!
Ski-Spaß im Zillertal