Drogen-Prävention

„Lieber frei als high!“
 
Keine Macht den Drogen - 2011
 
Suchtpräventionsprojekt mit Siebtklässlern der Uslarer und Bodenfelder Schulen
Uslar/Bodenfelde. Der Titel „Lieber frei als high“ verrät schon viel über den Inhalt: Mit dem schulübergreifenden Suchtpräventionsprojekt soll den Siebtklässlern aus der Region aufgezeigt werden, dass ein Leben ohne Drogen und Süchten lebenswerter ist, als eines in Abhängigkeit von Nikotin, Alkohol, Kokain, Haschisch, Marihuana oder anderen Rauschmitteln.

 
Schüler-Multiplikatoren mit ihren Lehrern: Vier Tage lang erfuhren diese Schüler in der Uslarer Jugendherberge viel über Sucht und Drogen. Ihr Wissen sollen sie jetzt ihren Klassenkameraden im Unterricht vermitteln. Foto: Dumnitz
Vier Tage lang haben 28 Jungen und Mädchen zwischen 13 und 14 Jahren teilweise aus erster Hand erfahren, was unter Sucht zu verstehen ist, wie verschiedene Drogen wirken und vor allem, welche Bahn der körperliche und seelische Verfall zieht. Über die rechtlichen Konsequenzen informierten Thomas Sindram von der Polizeiinspektion Northeim/Osterode und seine Uslarer Kollegin Cornelia Klausch. Sie wählten teilweise die Sprache der Jugendlichen und demonstrierten anschaulich, welches Handeln welche Strafen zur Folge hat.
Schüler als Multiplikatoren
Die 28 Siebtklässler aus der Heinrich-Roth-Gesamtschule Bodenfelde, der Solling-Schule Uslar (Haupt- und Realschule) sowie der Albert-Schweitzer Förderschule und des Uslarer Gymnasiums sollen Multiplikatoren sein. Ihr Wissen sollen sie ihren Mitschülern in den nächsten Wochen in drei Doppelstunden vermitteln. Damit habe man gute Erfahrungen gemacht, sagt Walter Tschäpe vom Gymnasium als einer der Organisatoren. Zusammen mit Ulrike Fiedler hat er das Projekt organisiert. Außerdem wurden die ausgewählten Schüler von den Lehrern Jutta Lesemann-Schefft, Tilmann Berning, Andrea Kupke, Inga Jörn-Weinreis, Sonja Gierke und Johannes Bergmann betreut.
Ziel des Projektes ist es, die Jugendlichen für das Thema Sucht und Drogen zu sensibilisieren. Die Gefährdung und die Folgen sollen deutlich werden, heißt es von den Organisatoren. So ging es auch um Fernseh- und Computersucht, Spielsucht, Gruppenzwang und Komasaufen.
Ins Gespräch gekommen sind die Schüler auch mit Mitarbeitern und ehemaligen Drogenabhängigen aus der christlichen Drogentherapieeinrichtung Neues Land in Amelith. Diese schilderten unter anderem die körperlichen Reaktionen durch den Drogenkonsum und von der Hölle des Entzugs. Auch Modedrogen wie Ecstasy waren Gesprächsthema.
Das Präventionsprojekt gibt es im Uslarer Land bereits seit 1996. Etliche hundert Schüler waren seither daran beteiligt, sagte Walter Tschäpe. Und: Man habe gute Erfahrungen gemacht, weil die Schüler ihren Mitschülern gerade bei diesem Thema gut zuhören. Das sei besser als Frontalunterricht mit dem Zeigefinger.
Gefördert haben das Projekt (Jugendherberge und Unterrichtsmaterial) die Kreis-Sparkasse Northeim (1000 Euro), der Landkreis Northeim (600 Euro) und der Förderkreis des Gymnasiums. (jdx, 12.02.2011)  

Präventionsprojekt „Lieber frei als high“ für die weiterführenden Schulen im Uslarer Raum - Projektbeschreibung

Sei fünfzehn Jahren beteiligt sich das Gymnasium Uslar am Suchtpräventionsprojekt  für die Klassen 7, in dem Schülermultiplikatoren ausgebildet werden. Die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung geschieht in Anlehnung an Erfahrungen in Skandinavien und in mehreren deutschen Ländern. Das Projekt in der vorgesehenen Form ist auch an den Northeimer Schulen durch die Initiative des „Arbeitskreises Prävention im Landkreis Northeim“ erfolgreich durchgeführt worden. Das hiesige Projekt nutzt die Northeimer Materialien und Erfahrungen. Das Projekt gliedert sich in zwei Phasen:
 
1. Je eine Schülerin und ein Schüler aus jeder teilnehmenden Klasse werden in einem viertägigen schulform-übergreifenden Seminar auf ihre Arbeit mit den Klassen durch ein Team von Instruktoren vorbereitet.
2. Die Multiplikatoren führen in vier Doppelstunden (und einem anschließenden Klassenfest) mit ihren Klassen das Projekt durch.
In dem Seminar soll den teilnehmenden Jugendlichen vermittelt werden, dass Gemeinschaftsleben auch ohne Drogen (im weitesten Sinne, vor allem ohne Tabak und Alkohol) lustvoll erlebt werden kann. Sie sollen befähigt werden, diese Erfahrungen durch verschiedenste Aktivitäten und Methoden an ihre Altersgenossen weiterzugeben.
 
Der Präventionsansatz dieses Projektes ist
* unspezifisch, beschränkt sich also nicht auf eine bestimmte Droge. Wenn Suchtmittel thematisiert werden, dann die Alltagsdrogen der Jugendlichen, wie Tabak, Alkohol, evtl. Hasch und Ecstasy, ebenso gut aber auch Süßigkeiten, Fernsehen und Computer (oder Gewalttätigkeit).
* ursachenorientiert (siehe  Seminarinhalt)
* ganzheitlich: Erlebnisse und Selbsttätigkeit stehen im Vordergrund.
* positiv auf ein erfülltes Leben ohne Drogen gerichtet, ohne deren Funktion und Allgegenwart zu leugnen.
 
Obwohl die Schule als Organisationsbasis genutzt wird, stellt das Projekt eine Alternative zur gewohnten Schule dar durch
* ganztägiges Seminar mit gemeinsamen Mahlzeiten
* Seminarleitung durch Fachleute außerhalb der eigenen Schule (die Arbeitsgruppen werden entsprechend gemischt)
* Mischung der Jugendlichen aus den verschiedenen Schulformen (auch in der Gruppenarbeit)
* Gestaltung der Doppelstunden in der Klasse durch Schüler
* Klassenfest als zugehörender krönender Abschluss
Das Vorbereitungsteam besteht aus Personen mit Erfahrung in der Gestaltung des Seminars. Alle Schulen des Uslarer Raumes wurden über das Vorhaben informiert und gaben ihre Zustimmung. Es sind  Klassen von folgenden Schulen beteiligt: Heinrich-Roth-Gesamtschule in Bodenfelde, und aus Uslar die Albert-Schweitzer-Sonderschule, die Solling-Realschule, die Georg-Laves-Hauptschule und das Gymnasium. 
Das Vorbereitungsteam trifft sich mit den beteiligten Teamern zu einer Vorbesprechung zu Inhalten und Ablauf des Projekts. Obwohl die Schülermultiplikatoren alleinverantwortlich die inhaltliche Gestaltung übernehmen, leisten die Klassenlehrer wichtige organisatorische Hilfen: Information der Eltern, Einbindung des Projekts in den Stundenplan und Unterstützung bei der Durchführung.

Ablauf des Seminars: Die Seminarteilnehmer werden - zum Teil in drei Kleingruppen aufgeteilt - mit dem Vorbereitungsteam die Gestaltung der Doppelstunden ausarbeiten  und üben. Ein entspannendes Gemeinschaftsleben während der gesamten Seminarzeit (täglich von 8.30 bis 15.00 Uhr), einschließlich Frühstück und Mittagessen, wird nicht nur den Erlebnischarakter betonen, sondern auch auf die Gestaltung des Klassenfestes vorbereiten.
Das von der Vorbereitungsgruppe erarbeitete Konzept sieht folgende Themen vor:
1. Doppelstunde:       Berührung mit der Realität, Zusammentreffen mit Gästen aus dem   “Neuen Land“ Amelith
2. Doppelstunde:    Warum rauchen/trinken wir?  Bewußt werden von Süchten, was ist    Sucht?                           
3.Doppelstunde:       „Du und die Gruppe“ ð Selbsterfahrungen von Gruppenzwang und der Umgang damit
4. Doppelstunde:      „Alternativen“ ð Sich wohlfühlen mit anderen ohne Drogen
 
Jeder Doppelstunde ist jeweils ein Seminartag gewidmet, in dem einerseits diese Themen abwechslungsreich und vielgestaltig methodisch dargestellt werden, andererseits die Schüler aber auch durch Materialien und Übung befähigt werden, diese Ideen in der eigenen Klasse möglichst überzeugend und spannend umzusetzen.
 (Walter Tschäpe)